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Julia Schwietering, Redaktion Wirtschaft aktuell

"Nicht nur Nachfolger, auch Sohn"

Über einen Zeitraum von zehn Jahren ist Sven Pieron in das Unternehmen seiner Mutter hineingewachsen. Seit dem Ausscheiden von Gisela Pieron im Jahr 2014 ist er Geschäftsführender Gesellschafter und leitet den Betrieb, der technische Federn für nahezu alle Industriebereiche fertigt, gemeinsam mit Christian Fehler. Fehler kümmert sich um den technisch-vertrieblichen Teil, Pieron ist verantwortlich für den kaufmännischen Bereich.

Von links: Sven Pieron, Gisela Pieron und Christian Fehler

Nicht nur Nachfolger, sondern auch Sohn

Über einen Zeitraum von zehn Jahren ist Sven Pieron in das Unternehmen seiner Mutter hineingewachsen. Seit dem Ausscheiden von Gisela Pieron im Jahr 2014 ist er Geschäftsführender Gesellschafter und leitet den Betrieb, der technische Federn für nahezu alle Industriebereiche fertigt, gemeinsam mit Christian Fehler. Fehler kümmert sich um den technisch-vertrieblichen Teil, Pieron ist verantwortlich für den kaufmännischen Bereich. Gisela Pieron ist zwar weiterhin Gesellschafterin, aber nicht mehr aktiv im Tagesgeschäft tätig. Ihr Sohn Sven hat sich als Nachfolger über viele Jahre in das Unternehmen eingearbeitet – ein Weg, der nicht immer ganz einfach war.

„Früher wollte ich immer im Sportbereich arbeiten. Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, irgendwann die Nachfolge meiner Mutter anzutreten. Als Kind habe ich miterlebt, wie stressig die Unternehmensführung für sie war und welche Verantwortung sie hatte. Erst recht, weil wir sehr früh unseren Vater verloren haben“, erinnert sich Sven Pieron. „Ich habe nach der Schule studiert und dann erstmal in einem anderen Betrieb gearbeitet, um Erfahrungen zu sammeln. In dieser Zeit ist mir klar geworden, was mir persönlich im Leben wichtig ist – und ich habe mich doch dazu entschieden, unser Familienunternehmen weiterzuführen. Das war ein Reifeprozess. Als meine Mutter mich schließlich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, ins Unternehmen einzutreten, habe ich mich nicht zweimal bitten lassen und habe ‚ja‘  gesagt.  Mittlerweile sehe ich es als große Herausforderung, die ich jeden Tag lebe.“

2011 stiegen Sven Pieron und Christian Fehler in die Geschäftsführung ein, nachdem sie über viele Jahre Erfahrungen in ihren jeweiligen Bereichen sammeln konnten und den Betrieb wie ihre eigenen Westentasche kennenlernten. Aus der Familie der Chefin zu kommen, sei nicht immer leicht gewesen, betont Pieron. „In den Augen vieler Leute ist es immer allzu einfach, als Sohn in das Familienunternehmen einzutreten. Doch häufig wird unterschätzt, welche Erwartungen an den Nachfolger aus der Familie gestellt werden. Generationenwechsel bedeutet auch, Dinge anders zu machen als die Vorgänger. Meine Mutter hat über viele Jahrzehnte den Betrieb geprägt und große Fußstapfen hinterlassen. Die musste ich auch füllen. Das war eine große Herausforderung. Immerhin wollte ich meinen eigenen Weg finden und neue Methodiken einbringen, die ich beispielsweise im Studium gelernt habe,“ verdeutlicht der Unternehmer.

Dass die Nachfolge innerhalb der Familie nicht komplett reibungslos verläuft, ist für den Familienvater nicht ungewöhnlich. „Natürlich bin ich mit meinen neuen Ideen manchmal angeeckt. Das passiert auch heute noch. Ich war eben nicht nur Nachfolger der Chefin, sondern auch ihr Sohn. Meine Mutter hatte eine klare Vorgehensweise, sie hatte ihren Weg gefunden. Aber für mich war mit Mitte 30 noch alles offen. Immerhin hatte sich in dieser Zeit gerade auf technischer Ebene einiges verändert. Während ich neue Innovationen ins Unternehmen bringen wollte, war die Sichtweise meiner Mutter manchmal eine andere.“ Doch Pieron gibt zu: „So wird es auch mir einmal gehen, wenn ich das Unternehmen an die nächste Generation weitergebe. Wichtig ist vor allem die Kommunikation, damit Chef und Nachfolger zusammen den besten Weg für den Betrieb finden.“ Der Schlüssel zum Erfolg einer Nachfolge ist laut Pieron vor allem die Planung und gut strukturiertes Handeln. „Für das Unternehmen war und ist es sehr wertvoll, dass Herr Fehler und ich uns sehr gut verstehen und über Jahre hinweg auf die Übernahme hingearbeitet haben. Wir hatten Zeit genug, um die Nachfolge zu stemmen.“ Gerade für den Seniorchef sei es außerdem enorm wichtig, seinem Nachfolger Freiräume zu geben und genügend Rechte und Befugnisse auf ihn zu übertragen. „Schlagartige, gravierende Veränderungen sind dann ausgeschlossen und der Nachfolgeprozess ist schleichend und sanft“, weiß Pieron. „Das hilft allen – auch der Belegschaft. Die Akzeptanz ist einfach größer, wenn der Nachfolger über viele Jahre in das Unternehmen hineinwächst. Wenn jemand von heute auf morgen die Verantwortung für den gesamten Betrieb in den Händen hält, erzeugt das große Skepsis bei den Mitarbeitern.“

Bereut hat er seine Entscheidung nie. „Natürlich trage ich eine immense Verantwortung. Ich habe eine Sieben-Tage-Woche, Zeit für Familie oder Freunde ist rar. Aber nirgendwo habe ich so große Möglichkeiten, mich zu gestalten und zu entwickeln wie in der Führung. Zu sehen, dass Entscheidungen, die ich gemeinsam mit Herrn Fehler treffe, Früchte tragen, geben mir ein gutes Gefühl. Wir beide geben alles für die Firma Pieron und haben die Möglichkeit, in der Planung des Tages unsere eigenen Prioritäten zu setzen. Somit hat man neben der Verantwortung als Geschäftsführer auch Freiheiten und Spielräume. Persönlich mag ich den Kontakt zu den Mitarbeitern, die unser größtes Gut sind.“

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