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An dem Thementalk teil nahmen (v. l.) Patrick Lehr, Ralf Swetlik, Monika Bone, Rüdiger Sasse und Moderatorin Andrea Hansen. © Münsterland e.V.

60 Teilnehmer beim Thementalk „Kommunikation in der Unternehmensnachfolge“

Egal, ob jemand aus der Familie oder von außen übernimmt: Ohne Kommunikationsgeschick funktioniert die Übergabe nicht. Genau zu diesem Thema haben drei Nachfolger und eine Kommunikations-Expertin bei der zweiten Auflage des Thementalks „Eine Runde Nachfolge“ diskutiert.

Rund 60 Interessierte verfolgten das Event live via Zoom, gestreamt wurde die Diskussion aus dem Fasslager der Feinbrennerei Sasse. Das Verbundprojekt Gründergeist #Youngstarts Münsterland in Kooperation mit dem Münsterland-Siegel hatte zu der Veranstaltung eingeladen. Andrea Hansen moderierte den Abend.

„Wir wollen zum einen ganz allgemein für das Thema Unternehmensnachfolge begeistern, zum anderen aber auch Interessierten praktische Tipps und konkrete Ideen für Nachfolgeprozesse mit auf den Weg geben“, erläuterte Frank Sibbing, Projektleiter von Gründergeist #Youngstarts Münsterland beim Münsterland e.V. Die erste Auflage der Talkreihe fand zum Thema Kultur und Digitalisierung statt, dieses Mal wählte das Youngstarts-Projektteam das Oberthema Kommunikation aus. „Denn im Umgang mit Beschäftigen kann man hierbei nicht nur vieles richtig, sondern leider auch vieles falsch machen“, betonte Sibbing.

Talkrunden-Teilnehmer und Gastgeber Rüdiger Sasse war gerade einmal 21 Jahre alt, als er in die elterliche Brennerei eingestiegen ist. Seit 1990 prägt er das über 300 Jahre alte Familienunternehmen, das mit seinen 40 Mitarbeitern auch Mitglied im Münsterland-Siegel ist. „Für mich fühlt es sich so an, dass der Generationswechsel in einem Familienunternehmen eigentlich nie abgeschlossen ist. Sobald sich der Sohn gegenüber dem Vater emanzipiert hat, geht es schon darum, Tochter oder Sohn für den Betrieb zu begeistern. Hierdurch ergeben sich bei Übernahmen von Familienunternehmen besondere Spannungsfelder, die auch eine externe Begleitung sinnvoll machen kann“, schilderte Sasse.

Rüdiger Sasse berichtete vom Eintritt ins Familienunternehmen, Interessierte verfolgten den Talk digital via Livestreaming (Foto: Münsterland e.V.)
Rüdiger Sasse berichtete vom Eintritt ins Familienunternehmen, Interessierte verfolgten den Talk digital via Livestreaming (Foto: Münsterland e.V.)

Kommunikation entscheidend für den Erfolg

Aus Sicht von Kommunikationsexpertin Monika Bone gebe es nicht den einen Rat für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger, denn jede Übergabe sei unterschiedlich. Dennoch sei die passende Kommunikation maßgeblich für den Erfolg einer Unternehmensnachfolge. „Wichtig für eine gelingende Nachfolge ist die bewusste Auseinandersetzung mit der neuen Rolle: Wie hat der Vorgänger mit seiner Persönlichkeit die Rolle gefüllt und wie fülle ich diese Rolle mit meiner? Wie nutzen wir die Unterschiede, sodass sie unsere Arbeit bereichern? Wertschätzend über Unterschiede zu reden, schafft fruchtbaren Boden für die Zusammenarbeit“, betonte Bone. Insbesondere die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Unternehmensnachfolge beschäftigte die rund 60 Teilnehmenden. „Je nach individueller Situation ist das ganz unterschiedlich“, erklärte die Kommunikationsexpertin Nachgang der Veranstaltung. „Der Nachfolgeprozess innerhalb der Familie ist beinah schon kontinuierlich, weil der Nachfolger selbst schon seine Kinder im Blick hat, die möglicherweise in seine Fußstapfen treten werden.“ Bei der Suche nach einem externen Nachfolger wiederum würden Unternehmensbörsen zur regelmäßigen Pflichtlektüre gehören, um rechtzeitig einen geeigneten Kandidaten zu finden.

Mitarbeiter ins Boot holen

Ebenfalls zur Diskussionsrunde gehörten die Nachfolger Ralf Swetlik vom Druckhaus Dülmen sowie Patrick Lehr von der Firma Motorrad Bögel in Ibbenbüren. Sie sprachen darüber, wie sie den Übergabeprozess bei den Mitarbeitern kommuniziert haben und über Dinge, die sie sich von ihren Vorgängern abgeguckt oder die sie bewusst anders gemacht haben. Beide betonten, wie wichtig ihnen Transparenz gegenüber ihren Beschäftigten ist und sie erklärten, wie sie ihr Team immer wieder mit ins Boot holen.

Konflikte als wichtiges Thema

Im Gespräch mit den Teilnehmenden wurde auch das Thema Konflikte diskutiert, wie Kommunikationsexpertin Bone in der Rückschau erklärt. „Wie gehe ich damit um, wenn etwas nicht so gut funktioniert? Die persönliche Beziehung zwischen der Unternehmerin oder dem Unternehmer und seinem Nachfolgenden spielt dabei eine große Rolle.“ Es sei schwieriger, wenn diese sehr eng sei, so wie bei Eltern und Kindern zum Beispiel. Bone rät, auch kleinere Konflikte anzusprechen und nicht herunterzuschlucken. „Man sollte den kleinen Ärger ansprechen, um den großen zu vermeiden“, verdeutlicht sie.

Der nächste Thementalk zur Unternehmensnachfolge ist bereits in Planung.


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