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Eine Rakete auf blauem Hintergrund, Wachstum (Foto/Quelle: AdobeStock_258960515__Love_the_wind)

Unternehmensnachfolge finanzieren: der Free-Cashflow

Bevor es im Nachfolgeprozess an die konkrete Transaktion geht, ist eine gute Planung essentiell. Im Mittelpunkt steht dabei das Unternehmen, sein Fortbestand und seine Zukunftsfähigkeit. „Neben der Nachfolge muss vor allem das operative Geschäft finanziert werden. Schließlich müssen Unternehmerinnen und Unternehmer zum Beispiel weiterhin Investitionen tätigen“, betont Guido Block, Nachfolgeberater bei der VR Bank Westmünsterland. Dafür braucht es liquide Mittel, die nicht durch die Nachfolgefinanzierung gebunden sein dürfen. Auf der Grundlage der operativen Planung ergibt sich der sogenannte Free-Cashflow. „Das ist der freie Geldstrom, den ein Unternehmen erwirtschaftet. Diese Mittel können für eine Transaktion genutzt werden“, erklärt Block.

zwei Personen am Schreibtisch, Unterlagen, Arbeit
Eine gute Planung ist essentiell, wenn es um die Finanzierung eines Unternehmenskaufs geht (Foto/Quelle: AdobeStock_418735016_VideoFlow)

Free-Cashflow identifizieren

In etablierten Unternehmen mit konstant laufenden Geschäftsmodellen ergeben sich oft freie Cashflows. „Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass die Gesellschafter bereits Gewinne entnehmen konnten“, erläutert Block. Folgende Fragen müssen in der Planung beantwortet werden:

•    Was erwirtschaftet das Unternehmen unter Berücksichtigung aller Finanzierungsnotwendigkeiten?
•    Was steht den Gesellschaftern frei zur Verfügung?
•    Wann steht dieses Geld zur Verfügung?

„Auf der Grundlage dieser Planung kann man dann ableiten, was für die Kaufpreisfinanzierung zur Verfügung steht – und wie viel Eigenkapital noch benötigt wird“, erklärt der Finanzierungsexperte. „Und ein schöner Nebeneffekt ist: Der Kaufpreis lässt sich verifizieren.“ Denn durch die Ermittlung des Cashflows zeigt sich, wie leistungsstark ein Unternehmen tatsächlich ist.
Mitunter entsteht bei dieser Planung eine paradoxe Situation, wie der Experte skizziert: „Es kann sein, dass sich ein hoher Unternehmenswert bei einem leistungsstarken Unternehmen aus Cashflows ergibt, die sehr weit in der Zukunft liegen.“ Das kann zum Beispiel bei Technologieunternehmen der Fall sein. Sie müssen erst einmal stark in die Technologie investieren, um später hohe Cashflows zu erzielen. In einer solchen Situation gibt es weniger Möglichkeiten, einen Teil des Kaufpreises aus dem Unternehmen heraus zu finanzieren.

Finanzierung ohne freie Cashflows

Wenn das Unternehmen keine freien Cashflows generiert – also mehr Kapital zum Wachsen braucht, als es erwirtschaftet – muss der Unternehmenskauf anders aufgebaut werden. „Dann braucht man zum Beispiel mehr Eigenkapital oder muss das notwendige Kapital für das operative Geschäft und das Wachstum zusätzlich finanzieren“, erklärt Block. Deshalb werden Unternehmenstransaktionen bei der VR Bank Westmünsterland und der Volksbank Gronau-Ahaus durch einen oder mehrere Bankpartner begleitet, die beide Bausteine abbilden: sowohl die Kaufpreisfinanzierung als auch die operative Finanzierung. „Das ist sehr sinnvoll und wichtig“, unterstreicht Block. „So lassen sich Interessenkonflikte von vornherein vermeiden.“

Wenn hinsichtlich des freien Cashflows Klarheit besteht und feststeht, wie viel Fremdfinanzierung das Unternehmen verträgt, lässt sich planen, wie viel Eigenkapital Nachfolgerinnen und Nachfolger für den Kauf ihres zukünftigen Unternehmens brauchen. Dass die angehenden Unternehmer dabei eher einen Engpass beim Eigenkapital haben, hat einen einfachen Grund: Viele der Nachfolgerinnen und Nachfolger sind in der Mitte ihres Lebens, haben eventuell ein Haus gebaut und eine Familie gegründet. „Viel freies Eigenkapital im Privatvermögen gibt es dort oft nicht“, weiß Block. Allerdings erwarten die Fremdfinanzierungspartner, dass auch der Nachfolgende ins Risiko geht. Für sie ist ein ausgeglichenes Chancen-Risiko-Verhältnis wichtig. „Wenn die Partner einen Teil des Risikos über die Fremdfinanzierung tragen, sollte derjenige den größeren Teil tragen, der am Ende am meisten von der Transaktion profitiert – und das ist der Nachfolger oder die Nachfolgerin“, betont der Finanzierungsexperte.


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